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10:37 Teise Joux, Villars: nachher

Nachher ist nicht wie vorher und manchmal ist man sogar auch ein bisschen schlauer ;-).

Erstens: nach der lachenden Sonne weint auch mal wieder der Himmel. Nur, warum ausgerechnet gleich heute schon wieder? Die tropfende Regenrinne hat mich bereits in der Nacht auf den heutigen Regentag einstimmen lassen. Und ob! In strömen giesst es heute morgen schon wieder. Immerhin tröstet das Self-Service-Frühstück in Solalex etwas darüber hinweg. Danke, ihr lieben Gastgeber! Bis in Barbeleuse ist aus dem leichten Regen ein regelrechtes Himmelentleeren geworden! Keine gute Voraussetzung für den geplant langen Marsch bis zur Pierre de Moëllé oberhalb von Leysin.

Zweitens: auch der Himmel hat irgendwann genug vom Regen und nachher scheint wieder die Sonne. Und wie! Erstmals hat sich die Sonne heute nach 3 Stunden wandern in Regenjacke und Regenhose wieder gezeigt, dafür umso prächtiger. Es ist soooo unglaublich schön, wenn die ersten Sonnenstrahlen durch den Welt schimmern und die noch regenfeuchten Blätter, Spinnennetze, Grashalme und Stauden wie 1000 Diamanten erscheinen lassen.

Drittens: naja, nachher ist man manchmal auch schlauer: Auf der Karte hat der Weg kürzer und idyllischer geschienen. Jetzt aber, schlammaufgeweicht geht es langsamer vorwärts. Zumal der Weg auf der 50er Karte wohl eine Linie ist, in der Realität aber ein langes zickzackraufundrunter! Und dennoch, die Zusatzkilometer waren kurzweilig – der Café und Zwetschgenwähen werden mir in Le Sepey umso besser schmecken. Mmmh

Nachtrag: die Liste lässt sich am Abend noch beliebe verlängern. Es lässt sich halt auf einer Wanderung nicht alles planen – zum Glück!

Viertens: vorher wäre besser als nachher: Routenplanung ohne Internet oder Telefon ist so eine Sache. Ich hatte mir ausgedacht, über Pierre de Moëllé zu wandern und dort im Dortoir zu übernachten. Dann würde es am nächsten Tag sogar via den Lac Hongrin und über den Rochers de Naye nach Montreux reichen. Nur, gibt es in Pierre de Moëllé überhaupt ein Dortoir? Und warum hatte es bei der usprünglichen Routenplanung daheim rund um den Lac Hongrin kaum Wanderwege gegeben? Ich Frage einen Einheimischen in Le Sepey: “Oh oui, il-y-a en Dortoir à Pierre de Moëllé.” Soweit so gut. Der nächste Kerl in oranger Arbeitskleidung scheint auch von hier zu sein. “Mais, non, c’est du territoire militaire! Défense d’entrer” . Aha, ja wenn das so ist. Nur, wenn ich dies schon heute morgen gewusst hätte, dann hätte ich mir den Weg nach Le Sepey sparen und den direkten Weg nach Leysin einschlagen könnnen … wenn, hätte …

Fünftens: nachher ist manchmal doch besser als vorher. Wie so oft führen mehrere Wege nach Rom, respektive auch nach Leysin. Nur, dieses Stück Karte fehlt mir, weil ich ja ursprünglich weiter nördlich Wandern wollte. Links oder rechts? Par Crête? Krete tönt immer gut, ich laufe gerne steil aufwärts, also links. Himmel nochmals, fluche ich kurz darauf. Das ist ja ein riesiger Umweg, auf diesem Weg ist vermutlich schon lange niemand mehr gelaufen … und die Wolken werden auch schon wieder dunkel. Nur, eine Dreiviertelstunde und einen kurzweiligen Gratweg später stehe ich schon knapp unter Leysin … manchmal ist halt nachher auch besser als vorher …

Sechstens: nachher ist auch dieser Blogpost entstanden, bis auf weiteres alle Einträge ab Notizblock …