Nebel hängt kalt im steilen Tal, irgendwo rauscht gedämpft der Etzlibach. Kein Ton, keine Farbe drãngt sich vor, gedämpft ist die ganze Natur. Mein Atem, die Schritte nehmen die Vorgabe unbemerkt auf. Ich könnte Stundenlang weitergehen, bin fast enttäuscht, als sich die Konturen der Hütte auf dem Felssporn abzeichnet. Ein Tal hat mich neblig in seinen Bann gezogen, wunderbar!
PS: grösser könnte ser Gegensatz nicht sein und dennoch hat mich der einsame Aufstieg in der kühlen Bergluft an eine drückend-schwüle chinesische 23 Millionen-Stadt erinnert: Chongching, die “Stadt ohne Schatten”. Dunstiger Smog hat auch dort die Stadt fast mystisch gedämpft – einer der stãrksten Eindrücke meiner ganzen Chinareise. Das Etzli, heute war es mein “Tal ohne Schatten”.
Auch heute wieder mussten 2100 Höhenmeter dran glauben … und einmal mehr ein ganz besonderes Erlebnis: das Maderanertal war ganz einfach eine Wucht! Steil und rauh das Gelände, eine Farbenpracht die Blumenwiesen, mächtig die Wasserfälle, spürbar die Wucht des Wassers (wir erinnern uns an die zerstörenden Übrserschwemmungen von 2005). Wir überqueren aber auch unzählige verspielte, kleinere Ringsale von Steinen und Felsen, geniessen atemberaubende Blicke in die Tiefe und lassen uns von einem kühlen Feenwald im Zwischenaufstieg zum Berghotel Maderanertal verzaubern. Vor zwei Jahren war ich im vorderen Teil des Tales auf der Windgällenhütte und auf Golzern. Jetzt bin ich wieder hin und weg von diesem schönen Flecken Urner Erde.
Nach dem Vortag ein Zickzack von raud und runter war, kennt der Tag heute (naja eigentlich gestern, aber ich tue jetzt mal, als ob) nur eine Richtung: aufwärts. Spãtestens jetzt weiss auch Stephan, warum ich in Elm noch einmal ein paar Hundert Gramm Gewicht reduziert und ein etwas Klettermaterial hab heimschicken lassen: aufwärts, aufwãrts, aufwärts. Die erste Steilstufe wird uns mit einem wunderschönen Hochtal, dem Obersand, beglücken … auch jetzt noch, also einen Tag später staune ich noch über die Farbenpracht der Blumenwiesen … und über die drei Wanderer, welche mit einer Flasch Wein im Niemandsland Picnic machen.
PS: das Hummelvideo Episode I gibts später als Zugabe.
PPS: Claudy, falls du noch mitliest: dein Heimatkanton ist schon “uusinnig schö”, Stephan würde anfügen: und “uusinnih steil”!
Die Tage der Furgglen oder Passübergänge. Heute nur eine zwischen Murgsee und Engi. Aber aich die Tage der Glarner Alpen, steil und schroffe Alpen mit ebenso steilen Aufstiegen resp Abstiegen. Es word ein Test für meine Knien werden, v.a. mit der Alpinausrüstung, welche ab Elm heute dabei ist.
Das Mühlibachtäli gehts ganz flott hinunter. Tina und ich plaudern beim Balancieren zwischen Schlamm und Kuhfladen über Glück und Glücklichsein. Ein Spiel Tschau Sepp mit Tina im Massenlager, ein Kafi Lutz auf der Hüttenterrasse und ein Pfüsi auf den noch Sonnenwarmensteinen. Viel mehr brauchen wir nicht.
Villeicht müssts drum heissen: 10:37 Mühlibachtäli: gücklich. Danke, Tina …
Welch ein Gegensatz zu den letzten 2 Tagen. Schon am morgen hat uns die Sonne ins Zimmer geblinzelt und jetzt dieser Tag, wie hier: Olive schimmert der Talsee, wir gönnen uns einen Morgenkaffee und geniessen die frische Alpenluft … auf uns wartet ein wunderbares Wochenende, mein Juchzer halt durch as enge Tal …
Grün leuchten die Matten noch regenfeucht, pünktlich auf der Vorderen Höhi ob zwischen Toggenburg und Amden stehlen sich aber auch die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken. Es läuft sich rund bei diesem Wetter. Auch wenn die Luft feucht schwitzt, mir gefallen die Tautropfen an den Blumen am Wegrand, die Nebelschwaden in den Bäumen und das dumpfe Bimmepn der Kuglocken von den Alen rundum.
Vorderi Höhi, für mich ein beliebtes Winterziel um aus dem Nebel zu entfliehen, jetzt im Sommer eingehüllt darin, nicht minder reizvoll.
Das Appenzellerland wie aus dem Ferienpropspekz: blauer Himmel, die Wiesen und Weiden mit Golfplatzschnitt, die verstreuten Häuser herausgeputzt und aufgeräumt, selbst die Kühe scheinen frisch geduscht.
Kein Zaunpfosten steht schief, kein Fensterladen lässt Farbe blättern und die Feldwege wirken frisch gefegt. Ein Schweizerland vom reinsten.
Zwei Tage Appenzell, einmal grau einmal blau, der erste Eindruck hält, dem zweiten nicht Stand … nur morgen gewinnt wohl Petrus’ dunkle Seite wieder Überhand.
Rorschach zeigt sich von der grauen Seite. Der Himmel, grau. Die Strasse vor mir, grau. Selbst das Rosa der Häuser wirkt … grau. Der feine Nieselregen hüllt alles in grau. Nur die Wegweiser leuchten gelb … Wartensee, Fünfländerblick, Grub … mein Weg nach Montreux beginnt in kleinen Schritten.